Eine Tageskerze liefert vier wichtige Werte: Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss. Was sie nicht zuverlässig liefert, ist die Reihenfolge, in der Hoch, Tief und dazwischen liegende Kursmarken erreicht wurden. Für viele langfristige Analysen ist das ausreichend. Für eine Strategie mit Einstieg, Kursziel und Stop kann diese fehlende Reihenfolge jedoch entscheidend sein.
Ein einfaches Beispiel
Angenommen, eine Regel eröffnet einen Long-Trade erst bei 100 Punkten. Das Tageshoch liegt bei 110, das Tagestief bei 90. Aus der Tageskerze allein ist nicht ersichtlich, ob der Markt zuerst auf 90 fiel und erst später auf 100 und 110 stieg – oder ob der Trade bei 100 eröffnet wurde, anschließend 90 erreichte und erst danach auf 110 stieg.
Der tiefe Kurs entstand vor dem Einstieg. Ein später angenommener Stop bei 95 hätte den Trade nicht vor dem Einstieg beenden können.
Der Trade war bereits eröffnet. Ein Stop bei 95 wäre vor dem späteren Hoch ausgelöst worden.
Beide Verläufe können dieselben Tageswerte besitzen. Für die Bewertung eines konkreten Trades sind sie trotzdem grundverschieden.
Warum Version 1 diese Grenze offen benennt
Version 1 wurde als struktureller End-of-Day-Test aufgebaut. Sie eignet sich dafür, Regeln über viele Märkte und Analyseverfahren einheitlich zu vergleichen. Sie ist aber keine vollständige Simulation der realen Intraday-Ausführung. Genau deshalb werden Trefferverhältnis und andere Version-1-Kennzahlen nicht als fertige Produktionsperformance dargestellt.
Frühe Projektuntersuchungen haben gezeigt, dass die Reihenfolge materiell sein kann
In frühen Entwicklungsständen des Projekts wurden verschiedene Annahmen zur Reihenfolge innerhalb einer Tageskerze untersucht. Dabei zeigte sich zweierlei: Erstens konnten unterschiedliche Reihenfolgeregeln das Ergebnis deutlich verändern. Zweitens konnten scheinbar einfache Korrekturen selbst neue Fehler erzeugen – insbesondere dann, wenn Long- und Short-Logik spiegelbildlich behandelt wurden, obwohl ihre Preisgeometrie unterschiedlich ist.
Diese frühen Versuche gehören nicht zum heutigen Version-1-Leistungsnachweis. Sie sind aber ein wichtiger methodischer Grund dafür, die Reihenfolge in Version 2 nicht mehr zu schätzen, sondern mit feineren Daten zeitlich aufzulösen.
Was Version 2 deshalb zusätzlich braucht
- Intraday-Daten mit belastbaren Zeitstempeln,
- eine eindeutige Ereignislogik für Einstieg, Ziel und Stop,
- eigenständig hergeleitete Long- und Short-Regeln,
- Tests für Situationen, in denen mehrere Marken innerhalb derselben Periode erreicht werden,
- eine dokumentierte Behandlung von Break-even, Trailing und Teilpositionen.
Erst wenn diese Reihenfolge feststeht, können auch Kosten, Slippage und die APS-Risikosteuerung auf einen eindeutig definierten Handelsverlauf angewendet werden.
Eine Tageskerze zeigt, welche Preise erreicht wurden. Für eine realistischere Ausführungssimulation muss zusätzlich bekannt sein, wann sie erreicht wurden.
Dieser Beitrag erklärt den derzeit dokumentierten Projektstand. Er fügt kein neues Leistungsversprechen hinzu und ersetzt weder den Risikohinweis noch die für Version 2 geplante formale Revalidierung.