Eine Kontrollgruppe soll eine einfache Frage beantworten: Wie verhält sich dieselbe Testlogik auf künstlich erzeugten Kursverläufen, deren Struktur kontrolliert vorgegeben wird und nicht aus beobachteter Markthistorie stammt? Der Vergleich ist besonders wichtig, wenn eine trendfolgende Entscheidungslogik über viele reale Instrumente und Varianten hinweg ähnliche Ergebnisse zeigt. Ohne Kontrollgruppe bleibt offen, ob die Testarchitektur selbst einen bestimmten Wert erzeugt.
Was in Version 1 gemacht wurde
Der reale Untersuchungsbestand umfasste 94 für die Testmatrix ausgewählte Marktinstrumente. Ergänzend wurden sechs separat ausgewiesene synthetische Kontrollreihen aufgenommen. Dadurch entstand eine einheitliche Matrix aus 100 Kursreihen: 94 reale Instrumente + 6 synthetische Kontrollreihen. Mit 60 Oszillatoren ergeben sich 5.640 reale Einzeltests und 360 Kontrolltests, insgesamt 6.000 Testkombinationen. Die sechs synthetischen Reihen werden dabei ausdrücklich nicht als reale Märkte gezählt.
Die Kontrollreihen sind keine identischen Random-Walk-Kopien. Sie wurden als eigenständige synthetische OHLC-Kursverläufe mit unterschiedlichen Parametern erzeugt. Variiert werden insbesondere Start-Drift, Wahrscheinlichkeit eines Trendwechsels, Drift-Persistenz, Drift-Rauschen, Close-Rauschen und die zusätzliche High-/Low-Spanne. Damit entstehen unterschiedlich stark trendende künstliche Kursverläufe. Das ist bewusst auf die untersuchte Logik abgestimmt, weil der Version-1-Ansatz trendfolgend und nicht als Mean-Reversion-Modell konzipiert ist.
Dieser Befund ist ein sinnvoller Hinweis darauf, dass reale und künstliche Daten in der verwendeten Testlogik unterschiedlich reagieren. Er ist aber keine universelle Widerlegung der Nullhypothese.
Die sechs synthetischen Trendregime
Zur Beschreibung der gespeicherten Reihen wird im Generator ein Efficiency Ratio verwendet: absolute Nettoveränderung der Close-Reihe geteilt durch die Summe ihrer absoluten Close-zu-Close-Bewegungen. Werte nahe 0 stehen für einen stark mäandernden Verlauf; Werte näher an 1 für einen wesentlich geradlinigeren Trendpfad.
Sehr geringe Trendpersistenz; realisiertes Efficiency Ratio ca. 0,001.
Schwache Trendstruktur mit häufigeren Richtungswechseln; Efficiency Ratio ca. 0,019.
Erkennbar trendfolgender synthetischer Verlauf; Efficiency Ratio ca. 0,146.
Deutlich höhere Persistenz und längere gerichtete Phasen; Efficiency Ratio ca. 0,306.
Starker Trendcharakter mit längeren Runs; Efficiency Ratio ca. 0,525.
Sehr persistenter Trendverlauf als Stress-Test für einen Trendfolger; Efficiency Ratio ca. 0,871.
Warum sechs Trendregime trotzdem nicht genügen
Die sechs Reihen unterscheiden sich deutlich, stammen aber aus derselben Generatorfamilie. Sie prüfen damit mehrere Ausprägungen synthetischer Trendpersistenz, bilden jedoch nicht alle denkbaren Nullmodelle ab. Künstliche Vergleichsdaten können auch so konstruiert werden, dass beispielsweise Renditeverteilungen, kurzfristige Abhängigkeiten, Volatilitätscluster oder andere Eigenschaften realer Märkte teilweise erhalten bleiben. Je nachdem, welche Struktur erhalten oder entfernt wird, beantwortet die Kontrollgruppe eine andere Frage.
Vorhandene Renditen werden neu angeordnet. Die Verteilung bleibt erhalten, die zeitliche Reihenfolge wird zerstört.
Zusammenhängende Blöcke bleiben erhalten. Dadurch kann ein Teil kurzfristiger Abhängigkeiten bestehen bleiben.
Bestimmte spektrale Eigenschaften können erhalten bleiben, während die konkrete Zeitstruktur verändert wird.
Vergleichsreihen können so konstruiert werden, dass unterschiedliche Volatilitätszustände oder Marktregime teilweise erhalten bleiben.
Was für Version 2 noch reproduzierbarer werden muss
Die vorhandene Arbeitsmappe dokumentiert Generatorlogik, Parameterfelder und die sechs eingefrorenen Kontrollreihen. Die Erzeugung selbst verwendet jedoch Excel-Zufallsfunktionen. Für eine unabhängige Neu-Erzeugung identischer Pfade soll Version 2 deshalb einen deterministisch reproduzierbaren Generator mit dokumentiertem Seed beziehungsweise einer äquivalenten reproduzierbaren Zufallsquelle verwenden. Zusätzlich müssen Verteilung, Autokorrelation, Skalierung und der Umgang mit Volatilität und Gaps formal dokumentiert werden. Die heutige Kontrollgruppe bleibt damit ein dokumentierter Vergleichsbefund, nicht der Endpunkt der statistischen Prüfung.
Warum das die Aussage nicht schwächt, sondern präzisiert
Die richtige Schlussfolgerung lautet nicht „die Kontrollgruppe beweist den Markt-Edge“. Sie lautet enger: Unter der verwendeten Kontrollgruppenlogik trennt sich die reale Testmatrix deutlich von sechs parametrisch unterschiedlichen synthetischen Trendregimen. Version 2 soll prüfen, ob diese Trennung bestehen bleibt, wenn zusätzlich mehrere anders konstruierte Nullmodelle verwendet und vollständig reproduzierbar erzeugt werden.
Eine gute Kontrollgruppe ist kein dekorativer Vergleich. Sie definiert, gegen welche alternative Erklärung ein Befund tatsächlich getestet wurde.
Dieser Beitrag erklärt den derzeit dokumentierten Projektstand. Er fügt kein neues Leistungsversprechen hinzu und ersetzt weder den Risikohinweis noch die für Version 2 geplante formale Revalidierung.